Marketing-Club Niederbayern e.V. Marketing-Club Niederbayern e.V.

Newsbericht 13/05

Die große Terrasse und die prunkvolle Fassade zur Isar hin verleihen dem Landshuter USSAR-Anwesen eine herrschaftliche Aura. Davon konnten sich 60 Mitglieder des MCN beim Marketing vor Ort überzeugen. Hinter dieser Dekoration verbarg sich jedoch seit jeher ein Gewerbegebäude, dessen Geschichte so wechselhaft und illuster wir die seiner Eigentümer und Nutzer.
Die Verwendung des Areals als Schleifmühle lässt sich bis ins Jahr 1488 zurückverfolgen, die als Tabakfabrik bis ins Jahr 1792 genutzt wurde. Gemessen hieran ist die heute prägende Bausubstanz relativ jung. Der jetzige Gebäudekomplex ist als Ergebnis diverser Um- und Neubaumaßnahmen im 19. Jahrhundert entstanden, größtenteils vermutlich im Jahr 1881. Die historische Zielfassade und die Isarterrasse wurden im Jahr 1902 angefügt.

 
Diese Umbaumaßnahmen waren mehrheitlich der jeweiligen Nutzung geschuldet. Dies gilt insbesondere auch für die große Terrasse, die nur als Nebenprodukt eines darunter liegenden Triebwerkskanals entstanden ist. An dessen Ende drehte sich von 1902 bis zum Neubau des heutigen Maxwehrs 1953 ein gewaltiges Wasserrad und versorgte die ansässigen Gewerbebetriebe mit elektrischer und mechanischer Energie.

 
In der langen Reihe von Eigentümern des USSAR-Anwesens sticht die Dynastie der Familie Gremmer hervor, die dort seit 1879 eine Schnupftabakfabrik betrieb. Der Germmer’sche „Brasil-Tabak“ erfreute sich damals überregionaler Beliebtheit. In dieser Blütezeit nahm das Anwesen seine heutige Gestalt an. Höhepunkt war ein offizieller Besuch des bayerischen Thronfolgers Prinz Ludwig, der 1904 mit einer Delegation von 300 Personen auf der Isarterrasse frühstückte.
Die Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre und geänderte Konsumgewohnheiten brachen der Schnupftabakfabrik jedoch bald das Kreuz. 1932 erwarb die heute namensgebende Familie Ussar das Anwesen und betrieb dort eine Schlosserei. 1993 wurde es an die Stadt Landshut veräußert und von dieser 2011 an eine Bauherrengemeinschaft unter der Leitung von Rudi Napholtz verkauft.

 
Die auf Denkmalsanierung spezialisierte Firma Napholtz hat das Objekt in den Jahren 2012-2013 grundlegend saniert.  Dabei mussten zeitgemäße Nutzungswünsche und baurechtliche Vorgaben in Einklang gebracht werden mit dem Streben nach werkgetreuer Wahrung des Gesamtcharakters. Auch dort, wo Gebäudeteile neu geschaffen werden mussten, finden sich allerorten dekorative Elemente, die auf die Geschichte des Objekts anspielen.
Der MCN dankt den Bauherren für den begeisterten Empfang, die großartigen Erläuterungen und den interessanten MarketingTalk.